Hagen und Müller überragen Beim Challenge Roth
Knapp 2600 Einzelstarter und 500 Staffeln gingen am vergangenen Sonntag beim Challenge Roth über 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,2 km Laufen an den Start. Der Langdistanztriathlon, der zugleich als Deutsche Meisterschaft ausgetragen wurde, wurde dieses Jahr durch miserable Bedingungen erschwert. Dauerregen auf der Radstrecke und kalte Temperaturen machten den Teilnehmern zu schaffen.
Ein heisses Duell lieferten sich Bernd Hagen und Frank Müller, die beide in der ersten von 12 Startgruppen im Kanal die 3,8 km lange Schwimmstrecke in Angriff nahmen. Für beide lief es schon in der Auftaktdisziplin sehr gut. Während Müller relativ alleine schwamm, positionierte sich Hagen knapp dahinter in einer Gruppe, um kräfteschonend im Wasserschatten einiger Konkurrenten zu schwimmen. Nach 52:56 Min. verließ Müller dann knapper als erwartet vor Hagen (53:28) das Wasser. Auf dem Rad zeigten sich beide relativ unbeeindruckt von der schlechten Witterung und machten von Anfang an Druck. Nachdem beide etwas Probleme mit ihrem Radschuh beim Wechsel hatten, konnte Hagen nach 10 km auf Müller auf- und schließlich vorbeifahren. Bis km 120 fuhr Hagen weit nach vorne und lag in aussichtsreicher Position, ehe er seinem angeschlagenen Tempo etwas Tribut zollen musste. So konnte ihn Müller bei km 155 schließlich wieder einholen und bis zum zweiten Wechsel knapp 2 Minuten Vorsprung herausfahren. Mit Radzeiten von 4:47 Std. von Müller und 4:48 Std. fuhren beide ein Durchschnittstempo von knapp 38 km/h auf der mit 1500 Höhenmetern eher welligen Strecke. Beim Laufen schlug dann die Stunde von Bernd Hagen, der im Bereich der besten Marathonläufer zu finden war und die 42,2 km noch in 2:53 Std. zurücklegen konnte. Auch Müller lief mit 3:08 Std. einen sehr konstanten Marathon, musste Hagen aber bei km 9 auf den Kanalwegen wieder ziehen lassen. Hagen finishte als 14. des Gesamtfeldes, 8. Deutscher und 3. deutscher Meister der Altersklasse M30 in 8:40:26 Std. nur eine Minute über seiner Bestzeit. Müller konnte als 26. und 5. in der M25 in 8:52:19 Std. seine bisherige Bestzeit um 20 Minuten nach unten schrauben und wurde damit 15.-bester Deutscher.
Für Christian Seeberger hingegen lief es alles andere als geplant. Während er mit 1:00:35 Std. im Wasser noch im Bereich seines Zeitplanes lag, kühlte er auf der ersten Radrunde schon aus und hatte auf der zweiten Radrunde ständig Probleme mit Oberschenkelkrämpfen und einer unterkühlten und verkrampften Rückenmuskulatur. Nach 5:05 Std. wechselte er zwar noch seine Rad- gegen die Laufschuhe, musste nach 4 km aber aufgeben, da an ein Weiterlaufen nicht mehr zu denken war.
Ein Kunststück brachten Jürgen Mirschberger und Wolfgang Christel zu Stande, denn beide liefen trotz 5 Minuten verschiedener Startzeiten exakt zur selben Zeit nach 10:34:56 Std. über die Ziellinie. Für Christel lief das Schwimmen sehr angenehm, da er relativ alleine schwimmen konnte und mit 1:09 Std. auch gut aus dem Wasser kam. Auf dem Rad holte er dann stärkere Athleten ein, was ihn zusätzlich motivierte, obwohl er das Radfahren sehr verhalten anging. Nach 5:24 Std. auf dem Rad kam die große Frage, was seine lädierte Achillesehne machen würde. Bereits nach knapp 10 km meldete sich diese das erste Mal, trotzdem konnte er den Marathon mit 3:53 Std. sehr gut und immer laufend beenden. Jürgen Mirschberger war nach eher durchwachsenen Vorbereitungsrennen auf den Punkt fit. Seine nicht für möglich gehaltene Schwimmzeit von 1:02:39 Std. brachte ihm noch einmal zusätzliche Motivation. Auf dem Rad kam ihm dann das Wetter eher zu gute. Um den Körper auf Betriebstemperatur zu halten, machte er ständig Druck und konnte die zweite Disziplin bereits nach 5:20 Std. schneller als geplant beenden. Beim Laufen ließ er sich dann vom schnellen Anfangstempo einiger Konkurrenten nicht verunsichern und lief von Anfang bis Ende ein konstantes Tempo durch, um mit 4:03 Std. per pedes sein tolles Langdistanzdebüt zu beenden.
Für Harald John begann das Schwimmen (58:17) noch sehr ordentlich, ein Fauxpas am Anfang der Radstrecke lenkte den Wettkampf dann in die falsche Bahn. Bereits nach 5 km verlor er sein Trinksystem mit der eigens angemischten Verpflegung, so dass er auf die Fremdversorgung angewiesen war. Leider vertrug er die gereichten Getränke nicht, so dass er ziemliche Magenprobleme bekam und sich sogar zwei mal am Rad übergeben musste und sich schon nahe des Schüttelfrostes befand. Trotzdem bewies er Moral und beendete das Radfahren nach 5:47 Std. Beim Laufen lief es bis zur Halbmarathonmarke auch wieder recht ordentlich, jedoch war er in der Folge total entkräftet und rettete sich mit 4:07 Std. zu Fuss und 11:01 Std. ins Ziel.
Anita Trinkerl ging mit einem Tape an ihrem lädierten Fuss sowie einem Kompressionssocken ins Wasser, der ihr dann aber Krämpfe in der Wade bescherte. Trotzdem stieg die ehemalige Leistungsschwimmerin bereits nach sehr guten 57:07 Min. aus dem Wasser, erwischte dann auf dem Rad aber nicht den besten Tag (6:02 Std.), obwohl sie sich dieses Jahr eine blendende Radform aufweisen kann. Die größte Tortur erwartete sie dann beim abschließenden Marathon. Acht Wochen war sie aufgrund ihrer Fussverletzung nicht gelaufen. Zwar machte der Fuss nur geringe Probleme, jedoch war die Oberschenkelmuskulatur die Belastung nicht mehr gewohnt, so dass sie großes Kämpferherz beweisen musste, um den Marathon durchzulaufen (4:27 Std.). Belohnt wurde sie durch das wohl schönste Geschenk, als ihr Mann Markus Trinkerl vor dem Ziel auf sie wartete und mit ihr gemeinsam die letzten Meter absolvierte. Auch bei ihm lief der Wettkampf alles andere als optimal. Im Wasser zwar nicht ganz auf Ideallinie unterwegs verließ er nach 1:02:33 Std. in ordentlicher Zeit den 20,4°C kalten Kanal. Auch beim Radfahren lag er in der ersten Runde noch voll auf seiner Zielzeit von 5 Stunden, bekam dann aber infolge der Unterkühlung in beiden Beinen Krämpfe und konnte somit keinen richtigen Druck mehr auf die Pedale bringen. Mit 5:16 Std. hielt sich der Zeitverlust dennoch im Rahmen. Beim Laufen war er jedoch bei km 14 schon völlig am Ende und wollte nur noch ins Ziel kommen. Das tat er dann in beschriebener Weise nach 10:59 Std. mit einem versöhnlichen Ende.
Für Thomas Salzner lief das Rennen im Rahmen seiner geringen Trainingsumfänge nahezu perfekt. Aufgrund des guten Schwimmtrainings in der Trainingsgruppe des SSV Forchheim konnte er bereits nach 1:12:22 Std. das Wasser verlassen. Auf dem Rad bewegte er sich im Rahmen seiner Möglichkeiten und verpasste die 6-Stunden-Marke um lediglich 93 Sekunden. Beim Laufen hingegen konnte er den Marathon sogar noch knapp unter 4 Stunden absolvieren, um nach 11:21 Std. einen hervorragenden Wettkampf zu beenden.
Bei seinem sechsten Start in Roth waren die Vorzeichen für Markus Herfurth aufgrund der eingeschränkten Vorbereitung eher nicht so positiv. Sehr verhalten und vielleicht etwas zu vorsichtig absolvierte er das Schwimmen (1:27 Std.), um dann mit durchnässter Kleidung die Radstrecke in Angriff zu nehmen. Mit Bedacht der nassen Verhältnisse absolvierte er die zweite Disziplin und bekam in der zweiten Runde aufgrund der Getränke Magenprobleme, die ihn erst nach 6:50 Std. den zweiten Wechsel erreichen lassen sollte. Auch auf der Laufstrecke büsste er mehrmals mit Verdauungsproblemen wertvolle Zeit ein, kämpfte sich aber mit 6:09 Std. ins Ziel.
Weitere Infos und Bilder unter www.ironfrank.info
Ergebnisse:
84.Gesamt, 18.W25, TRINKERL Anita, Schwimmen: 57:07 Min./Radfahren: 6:02:19 Std./Laufen: 4:27:56 Std./Gesamtzeit: 11:34:17 Std.
14.Gesamt, 3.M30, HAGEN Bernd, 53:28/4:48:37/2:53:54/8:40:26
26., 5.M25, MÜLLER Frank, 52:56/4:47:15/3:08:07/8:52:19
535., 8.M50, CHRISTEL Wolfgang, 1:09:34/5:24:08/3:53:01/10:34:56
535., 118.M40, MIRSCHBERGER Jürgen, 1:02:39/5:20:56/4:03:58/10:34:56
812., 178.M30, TRINKERL Markus, 1:02:33/5:16:49/4:32:57/10:59:17
825., 206.M40, JOHN Harald, 58:17/5:47:47/4:07:00/11:01:19
1067., 282.M40, SALZNER Thomas, 1:12:22/6:01:33/3:59:10/11:21:39
2031.,339.M30, HERFURTH Markus, 1:27:05/6:50:47/6:09:54/14:37:24
SEEBERGER Christian, 1:00:35//05:05:38/Aufgabe beim Laufen