Susi Zettl und Frank Müller beim Ironman Frankfurt

Frank Müller holt sich Hawaii-Ticket

Der Ironman Germany (3,8km Schwimmen, 180km Radfahren, Marathonlauf) in Frankfurt am vergangenen Sonntag sollte zum großen Ausdauerspektakel in Deutschland werden. Er hielt dieser Bürde stand. Das Herrenrennen mutierte zum Favoritensterben, das Damenrennen bot Spannung bis zur Ziellinie und der Streckenrekord wurde pulverisiert. Nicht nur die Profis an der Spitze boten großes Theater, auch weiter hinten öffnete sich der Vorhang für 2200 Athleten, die alle in vielen Akten unterschiedlichste Rollen spielen mussten. Unter ihnen auch zwei Forchheimer vom SSV Forchheim: Susi Zettl und Frank Müller.

Frank MüllerZettl fuhr nach Frankfurt in der Rolle der vermeintlichen Favoritin in ihrer Altersklasse, die sehr gute Chance hatte, einen Qualifikationsplatz für den Ironman Hawaii zu ergattern. Für Müller war es der erste Auftritt auf der Langdistanz und er träumte eher von einem Ticket für die Weltmeisterschaft im Oktober auf der Eiland der Triathletenträume. Sie kehrten nach Forchheim zurück mit einem Ticket nach Hawaii - für Frank Müller.

Susi Zettl hat schon zwei Auftritte bei einer Langdistanz auf dem Triathlonbuckel und schon beim ersten Auftritt erstaunte sie Fans und Fachwelt gleichermaßen. Platz 6 in Roth sprang 2005 heraus und 2006 Platz 10 mit besserer Zeit an gleicher Stelle. Mit dieser Vorleistung konnte sie das Projekt eher gelassen angehen. Sie trainierte ordentlich und war in ähnlicher Form der Vorjahre. Frankfurt sollte für sie – bei normalem Rennverlauf - die sichere Qualifikation bedeuten. Das Schwimmen begann gut für sie. Trotz der Enge unter den vielen Startern fand sie schnell ihren Rhythmus und verlies nach 58:21min den Langener Waldsee. Schnell fand sie sich unter den Top 10 der gesamten Frauenkonkurrenz wieder und verbesserte ihr Position kontinuierlich. Sie war zu diesem Zeitpunkt die schnellste nicht-professionelle Athletin und konnte sogar die spätere Siegerin Nicole Leder auf dem Rad überholen. Alles deutete auf eine neue Bestzeit beim Radfahren hin - bis Kilometer 120. In einer enge Ortsdurchfahrt überquerte ein kleines Kind ohne zu schauen rennend die Fahrbahn. Susi Zettl bremste, konnte aber das Unheil nicht verhindern. Sie stürzte über das Kind und ihren Lenker und landete Unsanft auf dem Asphalt. Beide Verunfallten rappelten sich schnell wieder auf und setzten ihre Wege fort. Susi hatte ein paar Schürfwunden, das Kind lief weinend zur Mutter, das Rad hatte keinen nennenswerten Schaden. Aber für die Forchheimerin war das Rennen gelaufen. Ihre Beine zitterten, sie hatte keine Kraft mehr und keinerlei Energie für die restlichen 60 Rad –und 42 Laufkilometer. Bis Kilometer 170 rollte sie mehr schlecht als recht und beendete bei ihren Betreuern weinend das Rennen. Sie war dabei das Rennen ihres Lebens gefahren und nur durch großes Pech war ihr die Chance genommen worden zu zeigen, ihre Vorbereitung zu krönen.

Frank MüllerDas Thema Vorbereitung war auch ein zentrales bei Frank Müller; wenn auch ein sehr durchwachsenes. Mit einer Knieoperation im Frühjahr trainiert es sich nicht so leicht, musst der 25-jährige feststellen. Trotzdem blieb er seinem Vorhaben treu in Frankfurt am Start zu stehen und nicht nur mitmachen zu wollen. Ein Virus kurz vorher sorgte für weiteres Kopfzerbrechen und erst am Morgen des Rennens wusste er endgültig, ob er wirklich für den Ausdauer-Drei-Akter gerüstet war. Schon ab dem ersten Schwimmzug merkte er, dass die Form stimmte und die Kraft in seinen Körper zurückgekehrt war. Er konnte sein angestrebtes Tempo von 1:25min pro 100 Meter halten und beendete die erste Disziplin nach 54:20min. Er suchte sich auf den ersten Kilometer der Radstrecke ähnlich starke Mitstreiter um im Verlauf der 180 Kilometer eine bessere Orientierung haben zu können. Nach 20 Kilometer, einem kleinen Malheur (er verlor ein wichtiges Teil seiner Trinkflasche und musste kurz umdrehen), fand er eine Truppe, in mit denen er den Rest der Radstrecke bestritt. Alles regelkonform –mit 10 Meter Abstand zum Vordermann- weil er sich relativ weit vorne sich im gesamten Feld positionierte und fast immer ein Kampfrichter in der Nähe auf dem Motorrad mitfuhr. Und eine Zeitstrafe von 6 Minuten oder eine sofortige Disqualifikation wollte Frank nicht riskieren. Mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von circa 38 km/h fuhr er durch die Region nördlich von Frankfurt und stellte sein Rad nach 4:50std am Mainkai ab. Hier folgten vier Laufrunde, die ihm die meiste Rätsel aufgaben. Er konnte im Frühjahr 10 Wochen praktisch nicht laufen und hatte nicht die Grundlage geschaffen für einen sicheren, soliden Marathon. Nach dem Radfahren fühlte er sich nicht so erschöpft, dass er schnell loslaufen konnte und musste sich sogar bremsen, um nicht später teuer dafür bezahlen zu müssen. Die ersten zwei Runden lief er nach Plan mit einem Tempo von 4:30min pro Kilometer. Dann setzte sich langsam die Müdigkeit und die Schmerzen durch und er hatte einen Durchhänger, wobei er fast eine Minute pro Kilometer verlor. Nach viel Cola und lautem Zuspruch seiner Fans und Betreuer kämpfte er sich weiter durch und konnte diese Phase überwinden. Nicht mehr so schnell wie zu Beginn, aber mit akzeptablen Tempo ging er in die letzte Runde und als die drittplatzierte Frau (Nina Eggert) ihn bei Kilometer 40 überholte, konnte er noch einmal ein paar Körner mobilisieren. Nach 9:12:18std stand er unter dem Zielbanner und hatte damit alle Vorgaben, die er sich gemacht hatte souverän umgesetzt. Platz 42 im Gesamtklassement und Platz 10 in der Altersklasse M25 bedeuteten für ihn die fast sichere Hawaiiqualifikation zu diesem Zeitpunkt. Neun Plätze werden in dieser Altersklasse vergeben und am nächsten Morgen stellte sich schon früh heraus, das ein vor ihm platzierter Athlet verzichten werde und damit war der Weg frei für Müller, sich den Traum aller Triathleten zu erfüllen.

Susi Zettl muss auf diesen Traum noch Warten. Entweder versucht sie die Qualifikation im August auf einer Halbdistanz in Wiesbaden oder es vergehen noch ein oder zwei Jahre bis sie sich noch mal an das Unternehmen „Hawaii“ wagt.