Ironman Florida 2009

Durchwachsene Schwimmleistung verhindert eine noch bessere Platzierung

   

Jürgen Mirschberger

November, Panama City Beach im US-Bundesstaat Florida. Wer diese Worte liest, der assoziiert damit sicherlich einen Herbsturlaub in warmen Gefilden, Triathlon-Kenner kommt da schon eher der Ironman Florida in den Kopf. Für Jürgen Mirschberger (VFB Forchheim) und Bernd Hagen (SSV Forchheim) war es die Mischung aus beidem.

Nach einer langen Saison sollte es für Bernd Hagen ein krönender Abschluss werden. Nachdem er nach der heimischen Saison in ein kleines Formtief gefallen war, sollten umfangreiche Trainingswochen im fränkischen Spätsommer und Frühherbst noch einmal die erhoffte Steigerung bringen, um so im Optimalfall vielleicht einen der vier Hawaii-Startplätze bei den männlichen Profis zu ergattern. Zusammen mit 26 anderen männlichen Profis sowie den weiblichen Profis begann um 6:50 Uhr das Unternehmen mit dem 3,8 km langen Schwimmen im atlantischen Ozean. Alles andere als erfreut war Hagen beim Blick auf das Meer, denn während in den Vortagen eine beinahe aalglatte Wasseroberfläche vorzufinden war, zeigte sich der Atlantik am Wettkampftag eher von seiner raueren Seite. Dies wurde Hagen letztlich zum Verhängnis, denn mit dem Wellengang und der Strömung sollte er an diesem Tag nicht zurecht kommen. Bereits kurz nach dem Startschuss war er isoliert und hatte im welligen Wasser immer wieder große Orientierungsprobleme, wodurch wohl etliche zusätzliche Meter hinzukamen. So kam es dann, dass er nach 1:05 Std. als letzter männlicher Profi ziemlich frustriert zum Schwimmausstieg kam. Die Spitze war ihm da bereits knapp 16 Minuten enteilt. Relativ einsam begann demnach das vom Wind geprägte 180 km lange Radfahren. Abgesehen von einigen Frauen, die er passieren konnte, bekam er auf den ersten 100 Radkilometern gerade mal drei Konkurrenten zu Gesicht, die er überholen konnte. Erst nach 120 km, als er an einer etwas größeren Gruppe vorbei fahren konnte, keimte das erste Mal wieder Hoffnung auf, die aber kurze Zeit später bei einem Wendepunkt wieder verflog, als er den großen Abstand und die zahlreichen Konkurrenten vor ihm erblicken konnte. Nach 140 km hatte er zudem das erste physische Loch zu überwinden, was ihm mit ausreichend Rückenwind auch gelang. Mit erheblichem Kraftverlust erreichte er nach 4:44 Std. auf dem Rad schließlich die zweite Wechselzone als 18. und in der Hoffnung, in seiner Paradedisziplin beim abschließenden Lauf noch einige Plätze gutmachen zu können. Obwohl er beim Radfahren bereits viel Kraft investieren musste, fühlte er sich beim Marathon richtig gut, lediglich der Kontakt zu den Vorderleuten war auch nach dem zweiten Wechsel schon relativ groß. Mit der viertschnellsten Laufzeit (2:54:56 Std.) und nicht einmal drei Minuten langsamer als der schnellste Läufer arbeitete sich Hagen auf den abschließenden 42,195 km zu Fuss noch bis auf Rang 13 bei den Profis nach vorne. Damit belegte er nach 8:52 Std. gesamt und als bester Deutscher den 16. Gesamtrang.

Für Jürgen Mirschberger wurden die Tage vor seinem zweiten Ironman zu einem Wettlauf mit der Zeit. Denn während er gesund in den Flieger stieg, kam er knapp 8.000 km weiter und eine Woche vor dem Wettkampf mit laufender Nase und brennendem Hals an. Doch letztlich sollten zwei Tage vor dem Wettkampf die letzten Infektanzeichen verschwunden sein. Da er erst 10 Minuten nach Hagen mit den übrigen knapp 2400 Athleten startete war bei Mirschberger der Betrieb im Meer wesentlich größer. Doch seine Positionierung am Rand des Feldes ermöglicht ihm, sich aus dem dichten Platzkämpfen im Wasser weitestgehend heraus zu halten. Nach einem kurzen Landgang hatte sich das Feld in der zweiten Runde bereits so weit auseinander gezogen, dass er eine wesentlich engere Linie schwimmen konnte. Aufgrund der Wellen und schwierigen Orientierung bleibt auch er als 513. mit 1:09 Std. etwas über seiner eigentlichen Vorstellung. Die ersten 40 bis 50 km am Rad befand er sich dann beinahe ausschließlich auf der Überholspur, was seine Motivation weiter steigen ließ, sicherlich auch ein Resultat seiner 7.600 Trainingskilometer, die er dieses Jahr in der Vorbereitung abspulte. Doch ein Problem sollten auf der absolut flachen Strecke immer wieder Gruppen werden, in denen der geforderte Mindestabstand von 7 Metern zum Vordermann nicht immer eingehalten wird. So war die Phase bis km 130 davon geprägt, zu überholen und überholt zu werden, immer versuchend, an der Spitze der Gruppen zu fahren, um keine Zeitstrafe zu riskieren. Erst danach werden die Gruppen immer kleiner. Bei einer Hochrechnung am Ende der Radstrecke erscheint ihm dann sogar die 5-Stunden-Marke realisierbar, was zum einen nochmal ein höheres Tempo impliziert, zum anderen aber auch erste Krampfansätze in den Oberschenkeln. Nach 5:02:43 Std. steigt er nicht sorgenfrei ob der Krämpfe und dem bevorstehenden Lauf als 191. vom Rad. Doch die Sorgen sollten umsonst sein, denn nach dem Wechsel fühlen sich die Beine gut an und die erste der beiden Laufrunden vergehen für ihn wie im Flug. Erst auf der zweiten Runde werden seine Beine langsam schwerer. Doch auch das sollte ihn nicht daran hindern, nach 3:58 Std. zu Fuss und 10:20:31 Std. gesamt gerade noch als Daylightfinisher (um 17:20 Uhr erlischt das Tageslicht) vom berühmten Ironmansprecher Mike Reilly mit den Worten „You are an Ironman“ als 225. im Ziel empfangen zu werden, was für ihn in seiner Altersklasse M45 den hervorragenden 26. Platz von 312 Teilnehmern bedeutete.