Hagen quält sich beim Ironman China zu Platz 8

   

Eine weite Reise nahm der Triathlet des SSV Forchheim Bernd Hagen auf sich, um bei der Premiere des Ironman China (3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren, 42,2 km Laufen) auf der südchinesischen Insel Hainan teilzunehmen. Etwa eine Woche vorher reiste er zusammen mit seinem Bruder als Betreuer an, um sich noch halbwegs an das subtropische Klima akklimatisieren zu können. Bis zwei Tage vor dem Rennen fegte über die mit 1,7 Millionen Einwohnern besiedelte Insel ein heftiger Taifun, der sogar die Frage offen ließ, ob das Schwimmen über 2 Runden im südchinesischen Meer überhaupt stattfinden könne. Erst am Vortag wurde das Wetter besser und am Renntag selbst sollte keine Wolke mehr am Himmel sichtbar sein und die Luft sich auf 40 Grad erwärmen, dazu kam noch die immens hohe Luftfeuchtigkeit. Als einer von 34 Profis durfte Hagen in der ersten Reihe der knapp 400 Teilnehmer die Schwimmstrecke in Angriff nehmen und kam dabei auch gut weg. Was die Orientierung allerdings erschwerte war die Tatsache, dass durch den Taifun sämtliche Bojen weggeschwemmt wurden und einzig und allein Fischerboote der Orientierung dienen sollten, was die Sache ziemlich erschwerte. Schnell formierte sich eine Spitzengruppe, zu der Hagen den Kontakt nicht halten konnte. So schwamm er in einer Verfolgergruppe wohl nicht den kürzesten Weg und merkte bereits am Ende der ersten Runde, dass seine Gruppe relativ weit abseits schwamm, wohl auch aufgrund relativ starker Strömung. Obwohl er sich im Wasser sehr gut fühlte, war er beim Blick auf die Uhr (1:05:09 Std.) beim Wasserausstieg mehr als enttäuscht und traute seinen Augen nicht. Jedoch sollte er nicht der einzige sein, der im Wasser hinter seinen Erwartungen zurück blieb. Lediglich die Spitze hatte Schwimmzeiten im normalen Bereich. Beim Wechsel erfuhr er auch, dass die ernst zu nehmende Spitze bereits über 10 Minuten Vorsprung hatte, der schnellste Schwimmer sogar 16 Minuten. Auf dem Rad sollte für ihn nun eine Aufholjagd beginnen, die ihn Stück für Stück von Platz 35 nach dem Schwimmen nach vorne spulte. Allerdings dauerte es ziemlich lange, bis er auf dem zweistündigen Radkurs, der größtenteils auf einer komplett gesperrten dreispurigen Autobahn verlief, die ersten Frauenprofis bzw. Profis der Männer einholte. Angesichts des widrigen Wetters in der Heimat und der damit eher suboptimalen Vorbereitung auf dem Rad war es umso erstaunlicher, dass er bis zum Ende Druck in den Beinen verspürte und sich mit der viertbesten Radzeit (4:50:20 Std.) bis auf den neunten Platz vorarbeiten konnte. Bereits während des Radfahrens wurde es auf der leicht welligen Strecke immer heisser, so dass lediglich der gelegentliche Wind ein wenig Abkühlung brachte. Beim zweiten Wechsel konnte er auf dem Weg ins Wechselzelt dann schon kaum mehr seine Füße auf den Boden setzen, so heiss war es inzwischen. Mittlerweile war ihm auch völlig klar, warum Hainan als das Hawaii Asiens bezeichnet wird. Von seiner Vorgabe, den Kilometer in 4 Minuten zu laufen, verabschiedete er sich bereits nach dem ersten Split, der ihm 4:30 Minuten zeigte. Total matt und weit entfernt von der Vorstellung, wie er sein Tempo forcieren solle, begann bereits auf den ersten Laufkilometern die Qual. Kaum schattige Plätze und brutale Hitze, die vom Asphalt aufstieg, machten das Rennen noch härter. Erst Cola und Wasser, so viel nur irgendwie aufzunehmen war, konnten die ersten Schwindelgefühle und Anzeichen von Dehydrierung wieder beseitigen. So nahm er sich auch bei jeder der Verpflegungsstellen die Zeit zu gehen und sich zu kühlen und optimal zu verpflegen. Zu guter letzt ging es bei km 38 bei dem sonst eher flachen Kurs noch einmal einen langgezogenen Anstieg auf einer Autobahnbrücke hoch, den er als einer der wenigen trabend und nicht gehend hoch ging. Dass der Marathon von 3:45:21 Std. und die Endzeit von 9:46:31 Std. wenig mit seinen sonstigen Fähigkeiten zu tun hat, war ihm zu diesem Zeitpunkt mehr als egal. Er war einfach nur froh, überhaupt gefinisht zu haben und das auch noch als 8. des gesamten Feldes und hinter dem Sieger Olaf Sabatschus als zweitbester Deutscher. Leider gab es für die Herrenprofis nur drei Startplätze für die Ironman Weltmeisterschaft im Oktober auf Hawaii, so dass er die Qualifikation verpasste.