Zettl erkämpft Stockerl-Platz

Drei Forchheimer quälen sich beim Dreiländergiro bei kalter Witterung über vier Pässe

Uli ZettlAls ob vier Pässe im Dreiländereck der Schweiz, Italien und Österreich nicht genug wären, erwarteten die Teilnehmer beim Rennradmarathon des diesjährigen Dreiländergiro darüber hinaus Temperaturen bis knapp über dem Gefrierpunkt. Unter den 1.464 Finishern auf der längeren der beiden Strecken waren auch die drei Forchheimer Uli Zettl, Steffen Lotter und Matthias Neubauer. Start und Ziel des Events war in Nauders, nach der kurzen Anfahrt wartete mit dem Reschenpass bereits der erste, an diesem Tag eher kleinere Berg. Die längste Steigung mussten die Athleten nach 36 km bewältigen, als es von Prad (900 Meter) 28 km lang bis auf das Stilfserjoch auf 2.797 Meter hinauf ging. Am Kulminationspunkt hatte es bei vereinzelten Schneeflocken dann gerade mal 3 Grad, was die Abfahrt nach St. Maria, bei der es teilweise gar über eine Naturstraße ging, nicht gerade angenehmer machte. Nachdem auch der Ofenpass überwunden war, ging es durch das Inntal bei windigen Bedingungen relativ flach entlang, ehe am Ende noch einmal die 6 km langen Kehren zur Norbertshöhe und eine kurze Abfahrt nach Nauders bevor stand, so dass im Ziel nicht weniger als 168 km mit 3.300 Höhenmetern auf dem Tacho standen.

Nach seinem 8. Platz im Vorjahr und 25.000 Trainingskilometern allein im Jahr 2008 ging der 29-jährige Uli Zettl nicht nur mit großer Vorfreude, sondern auch mit großen Ambitionen an den Start. Schließlich hatte er im Jahr 2009 bereits knapp 14.000 km im Sattel zurückgelegt und auch bei seiner Saisoneröffnung Ende Mai beim Amadé-Radmarathon (176 km, 2.490 Höhenmeter) in Österreich als Gesamt-6. nicht einmal eine halbe Minute Rückstand auf den Sieger im Ziel. Leider hatte er sich etwas verspätet gemeldet, weswegen er keinen der begehrten 200 Plätze in der ersten Startgruppe mehr bekam. Somit startete er nach der üblichen Hektik in der Anfangsphase aus der 2. Gruppe und musste sich erst einmal nach vorne kämpfen. Bis zum Fuße des Anstieges zum Stilfserjoch gelang es ihm dann letztlich den Anschluss an die bis dahin noch 60 Fahrer umfassende Spitzengruppe herzustellen. Dort wurde die Gruppe durch Tempoforcierungen immer weiter dezimiert, so dass schnell nur noch 7 Fahrer übrig blieben, die aber bis weit über die Hälfte der Auffahrt zusammen blieben. Im oberen Teil des Berges war es dann der luxemburgische Interkontinental-Fahrer und damit Profi, Vincenzo Certrone, der sich mit einer weiteren Tempohatz leicht absetzen konnte. Kurze Zeit später erhöhte auch Zettl abermals das Tempo und konnte wieder aufschließen und sogar als Erster über die Passhöhe fahren. Folgen konnte ihm zu diesem Zeitpunkt neben Certrone lediglich der dreifache Sieger Stefan Mistler. In der darauffolgenden bitterkalten Abfahrt gelang es dann noch einem vierten Fahrer, wieder aufzuschließen. In dieser Konstellation ging es dann auch über den Ofenpass und das Inntal hinunter, wobei der vierte Fahrer dem Tempo an den Gegenwellen abermals zum Opfer fiel. Somit musste die Entscheidung um den Sieg am Anstieg zur Norbertshöhe fallen. Leider konnten Certrone und Mistler durch wechselnde Attacken Zettl leicht distanzieren und zeitgleich als Erste über die Ziellinie überfahren. Eine knappe Minute danach passierte Zettl als überragender Drittplatzierter nach 5:36 Stunden die Ziellinie. Durch seinen Start aus der zweiten Gruppe war er damit sogar mit der besten Nettozeit Tagesschnellster und somit Sieger seiner Altersklasse, was sein bisher größter Erfolg ist.

Bereits zum zweiten Mal absolvierte Steffen Lotter den Radmarathon. Der 20-jährige Triathlet des SSV Forchheim, zu dessen Stärke vor allem bergige Radstrecken zählen, hat bereits beim Radmarathon Fränkische Schweiz im Mai bewiesen, wie gut er auf kupierten Streckenverläufen zu Recht kommt, als er mit der achtköpfigen Spitzengruppe ins Ziel kam. So startete er an der Seite von Zettl aus der zweiten Gruppe heraus und konnte bis zum Stilfserjoch dessen Anschluss halten. Auch hier konnte er weit vorne im Feld den Anstieg erklimmen, bekam aber am Ende der nicht enden wollenden Kehren nicht zuletzt durch die Kälte leichte Krämpfe in den Beinen, die sich aber nach ausreichender Verpflegung wieder verflüchtigten. Auch in der Folge kam er gut zurecht, lediglich durch das Inntal hatte er teils als Einzelkämpfer sehr mit dem Wind zu kämpfen. Als Gesamt-92. und 18. seiner Altersklasse in 6:33 Std. konnte er vollauf zufrieden und stark verbessert zum Vorjahr das Ziel in Nauders erreichen.

Gleich sein zweites Marathondebüt feierte Matthias Neubauer in diesem Jahr. Nachdem er in Wilhelmshaven (3:27 Std.) bereits 42 km per pedes zurückgelegt hatte, sollte es diesmal ein Radmarathon sein. Auch ihm machten die harten Bedingungen zu schaffen, so dass sich die lange Auffahrt zum Stilfserjoch als relativ zäh herausstellte. Besser in Fahrt kam er dann am Ofenpass und auch den Schlussanstieg bewältigte er sehr ordentlich. Auch wenn er sich ein bisschen mehr erhofft hatte, war sein Debüt (721.,86.AK,8:16 Std.) unter den harten Bedingungen erfolgreich.